Literatur trifft Literatur. Im Eferdinger Gastzimmer.

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Es lesen und musizieren Sabine Scholl, Anja Bachl, Andrea Grill und Flora Geißelbrecht (Viola).

Beginn 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Anmelden und Platz sichern: mail@drei-mal-drei.at.

Sabine SCHOLL

liest aus ihrem Roman „Die zweite Haut“, erschienen 2025 bei Weissbooks.

Sabine Scholl (© Mathias Botor)

Stoffe, Fäden, Nähen bildeten für eine ganze Generation ein wesentliches Element des Aufwachsens. So auch für die Erzählerin und ihre Brüder, die in prekären Verhältnissen in einem kleinen Dorf in Oberösterreich von ihrer Mutter geradezu eingenäht wurden. Anhand einzelner Kleidungsstücke wird ein ganzes Leben nachgezeichnet, Armut und Ausgrenzung, Scham, aber auch ein Ringen um Emanzipation der Erzählerin als Studentin, Schriftstellerin und Mutter.

Sabine Scholl hat einen literarischen Zugriff auf die tiefen Wunden des Lebens gefunden, auf die Scham der Armut, auf den Mangel an mütterlicher Liebe, auf die Prägung der Herkunft, die einen ein Leben lang begleitet.

Die zweite Haut rührt einen tief an und erinnert an die Werke von Annie Ernaux.

Quelle: Weissbooks – Die zweite Haut

Biografie

Sabine Scholl wurde 1959 in Grieskirchen geboren. Sie studierte in Wien, lehrte in Aveiro, Chicago, New York, Nagoya, unterrichtete Literarisches Schreiben an der Schule für Dichtung Wien, am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, UDK Berlin, Institut für Sprachkunst der Angewandten Wien. Publikationen (Auswahl): Die im Schatten, die im Licht (2022), Transit Lissabon (2024), Haben und Gehabe – Klasse und Herkunft in der Literatur (2025), Die zweite Haut (2025).

https://sabinescholl.com

Anja BACHL

stellt ihren 2026 bei Haymon erschienenen Lyrikband „Mitternachtszustand“ vor.

Anja Bachl (© Lee Everett Thieler)

Anja Bachl schreibt ein Leben voller Gleichzeitigkeiten. Es ist ein diffuser Zustand, in dem sich das lyrische Ich wiederfindet: Mitternachtszustand kreist um das Dazwischen, in dem Formen zerfallen und Gewissheiten brüchig werden – nicht Tag, nicht Nacht, aber ein Schweben ohne feste Beheimatung. Mitternachtslyrik hält diese Brüche nicht zurück, vielmehr lässt sie sie zittern, aufflackern, sich verformen. habe mich nie als Gegebenheit wahrgenommen / sondern als dehnbares Material – so wird Uneindeutigkeit nicht Mangel, sondern Echo. So trifft das Bedürfnis nach Trost auf die Notwendigkeit des Weitermachens. Aus diesem Driften, das mehr sein kann als Haltlosigkeit, wächst eine Suchbewegung, die nach Worten tastet, wo Wirklichkeiten zerspringen und sich gegen Zuschreibungen stemmt, die verfehlen.

In Anja Bachls Lyrik werden Reibungen gesammelt; die Strophen legen Risse frei, durch die wir hindurchsehen – auf uns selbst, auf andere, auf das Unausgesprochene. Wir finden uns in einer Sprache wieder, die bricht, sucht und sich neu zusammensetzt, in der wir uns verlieren dürfen und doch gespiegelt werden: tastend, schwebend, widerspenstig gegen das Abhandenkommen. Ob im Atemholen nach dem Aussetzen des Herzens, dem Zulassen des Glitchs oder dem Umlegen aus unsanften Zähnen – Mitternachtszustand sucht das Trotzdem.

Quelle: Haymon – Mitternachtszustand

Biografie

Anja Bachl, wurde 1986 in Salzburg geboren. Sie (she/her) ist Autorin und Ganzheitliche Kunsttherapeutin. 2021 wurde sie mit dem Irma-von-Troll-Borostyáni-Preis für journalistische Beiträge ausgezeichnet. 2022 erschien im Haymon Verlag ihr Lyrikdebüt weich werden, ausgezeichnet mit dem Georg-Trakl-Förderungspreis. Für ihren zweiten Gedichtband mitternachtszustand, erschienen 2026 im Haymon Verlag, erhielt sie 2025 das Startstipendium für Literatur des österreichischen Bundesministeriums.

https://anjabachl.com

Andrea GRILL

liest aus „Sonnenspiel“, der Roman erschien 2026 bei Leykam.

Andrea Grill (© Minitta Kandlbauer)

Ein Dorf in Apulien. Ein Haus am Meer. Ein Garten voller Olivenbäume und Zitrusfrüchte. Hier lebt Loredana Sartoro unter einem Dach mit ihren Eltern. Sie ist Mutter von drei Kindern und näht in Heimarbeit Kleider für eine italienische Luxusmodemarke. Als eine Journalistin auf Urlaub von ihren prekären Lebensumständen erfährt, will sie einen großen Enthüllungsartikel schreiben. Davon will Loredana aber nichts wissen. Kurzerhand sperrt sie die hartnäckige Journalistin in ihre Speisekammer.

Während Loredana entdeckt, wie verführerisch es ist, Macht auszuüben, erhält sie den Auftrag, die legendäre Statue der  Schmerzensmadonna aus dem Dom neu einzukleiden. Eine überraschende Geschichte entspinnt sich zwischen den zwei Frauen.

Quelle: Leykam – Sonnenspiel

Biografie

Andrea Grill wurde 1975 in Bad Ischl geboren. Sie ist Lyrikerin, Schriftstellerin, Übersetzerin und promovierte Evolutionsbiologin. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Anton-Wildgans-Preis und dem Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien. Zuletzt erschienen der Roman »Sonnenspiel« und das Kinderbuch »Ziemlich beste Monster«. Mit der Text-Performance »die zunge ist nur nie die zunge« gestaltete sie im Rahmen der Klima Biennale 2026 das KunstHausWien. Grill lehrt an der Schule für Dichtung in Wien.

Andrea Grill auf Wikipedia

Flora Marlene GEIßELBRECHT

wird uns mit ihrer Viola durch den Abend begleiten.

Flora Marlene Geißelbrecht (© Verena Brüning)

Flora Geißelbrecht wurde 1994 geboren. Sie ist als Bratschistin, Komponistin, Vokalistin und Liedtexterin gefragte und glückliche Akteurin der österreichischen Neue-Musik-, Jazz-, Impro- und Theaterszene, unter anderem spielte sie am Burgtheater, komponierte für die Linzer Klangwolke 2026 und die Styriarte und hat diverse eigene Ensembles.

Im Jahr 2022 gewann sie den Berlin Prize For Young Artists und ist seitdem auch mit ihren Soloprogrammen für Viola&Stimme unterwegs, in denen sie ihre musikalischen Fähigkeiten und Interessen mit Elementen aus Figuren-, Bewegungs- und Schattentheater kombiniert.

https://florageisselbrecht.at

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