Beim letzten dreimaldrei-Abend 2026 lesen und performen Fiston Mwanza Mujila, Franziska Füchsl und Kinga Tóth.
Beginn 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, sichert aber einen Sitzplatz. Reservierungen unter mail@drei-mal-drei.at.
Fiston MWANZA MUJILA
liest aus seinem Gedichtband „Kasala für meinen Kaku“, erschienen Anfang 2025 im Müry Salzmann Verlag.

Anrufungen, Beschwörungen und Lobpreis (was „Kasala“ auf Kiluba bedeutet), Geschichten und Gesichte einer Stimme, die alle Instrumente einer Jazz-Band aus sich heraus zu orchestrieren scheint: Mit prallen, bunten Bildern, ebenso heiteren wie bestürzenden Szenen und Motiven inszeniert Fiston Mwanza Mujila eine mitreißende Dichterrede, deren kolossale Übertreibung jegliches Pathos implodieren lässt und umso schwungvoller poetische Energie zu entfesseln vermag – als Gegenfeuer zum Falschen des Bestehenden.
Aus unterschiedlichen lyrischen Traditionen anklingende Obertöne erzeugen die Atmosphäre einer hybriden Welt, die sich aus Versatzstücken aus verschiedenen globalen Räumen und Zeitschichten amalgamiert. Wo alles möglich, real und surreal zugleich erscheint, versucht sich ein waches und empathisches Bewusstsein zu verorten: in der Bezugnahme auf den Kaku (den Urgroßvater bzw. Ahnen) und eine lebendige, animistische Überlieferung bringen die Gedichte Fiston Mwanza Mujila mit ihren treibenden Rhythmen und poetischer Wucht gängige Begriffe und Vorstellungen (post) kolonialer Lebenswelt ins Wanken.
Intimität ist für Fiston Mwanza Mujila, was nicht in, sondern zwischen den Sprachen passiert. Er spricht drei afrikanische Sprachen, Französisch, Englisch und Deutsch. (…) In seinen Texten sei er eine Art Übersetzer seiner selbst, seiner Kultur, seines Charakters. (Janina Fleischer, Leipziger Volkszeitung)
Quelle: Ritter-Verlag – Kasala für meinen Kaku
Biografie
Fiston Mwanza Mujila wurde 1981 in Lubumbashi, Demokratische Republik Kongo geboren. Er
schreibt Lyrik, Prosa und Theaterstücke und unterrichtet afrikanische Literatur. Er publiziert vorwiegend auf Französisch, sein Debütroman Tram 83 (2016) wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Internationalen Literaturpreis des Haus der Kulturen der Welt. 2024 wurde er mit dem Preis der Literaturhäuser ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den National Book Award. Neben seiner Tätigkeit als Autor und Performer (Zusammenarbeit mit Jazzmusiker*innen) ist er als Vermittler und Herausgeber afrikanischer Literatur tätig. Mujila lebt und arbeitet in Graz.
Franziska FÜCHSL
stellt ihren 2025 in der Edition Thanhäuser erschienenen Band „Am Rande der Müh“ vor.

Im Südhang der europäischen Wasserscheide am Südrand des Böhmischen Hochlands, einem Grenzknoten, einem versteinerten Strudel, entspringen die drei Mühflüsse, de Gloane, de Stoanane, de Gręǫße auch Grǫıße. Das hügelige, erst kurz vor der Donau scharf abfallende Hochplateau, das sie lenkt und dem sie entrinnen, schreibt sich Oberes Mühlviertel. Doch jenes ‚l‘, das der Müh’ ihr Wasserrecht zusichert, kommt nicht zur Mündung. Unentwegt wird der Fluss angezapft und umgelenkt. Wir begegnen ihm stets im übertragenden Sinn.
Unter unseren Blicken und in unseren Händen zersprengt es den Fluss in Müh-Metonymie. Wir stehen am Ufer und springen: zu Wehr und Wasserstand, zu Rad und Mühle, Mehl, Brot und Betrug, zu Knochen, Teufel und sicherem Tod, zu Holzschliff, Bütte und Konfetti, zu Strom, Licht und Elektroschrott, zum Stoff, aus dem Hymnen nicht sind. Das Weg- und Umweggehen lässt sich den Flüssen abschauen, die noch bleiben und schon über alle Berge sind.
Quelle: Edition Thanhäuser – Am Rande der Müh
Biografie
Franziska Füchsl wurde 1991 in Putzleinsdorf geboren. Sie ist Schriftstellerin, Übersetzerin und Setzerin. Ehemaliger Hilfstschak in der Metallverarbeitung, ist seit 2025 Co-Herausgeberin von Triëdere – Zeitschrift für Theorie und Literatur. Füchsl ist Mitglied im Übersetzungsverein Versatorium, wo sie den Druckraum Jahoda rund um eine Korrex Stuttgart, eine Presse für Bleisatz, betreut. Zuletzt erschienen: Am Rande der Müh (Edition Thanhäuser 2026) und Die Straßen sind sichtbar (Ritter Verlag 2023)
Kinga TÓTH
liest aus „MariaMachina“, das Buch erschien 2026 bei Matthes & Seitz Berlin.

Welche Rollen konnten Nonnen früher in Gesellschaft und Kunst übernehmen, welche Möglichkeiten haben Frauen heute? Kann Rückzug ein Akt der Selbstbestimmung sein – oder ist er Kritik an gesellschaftlichen Zwängen? In ihrem Gebetsbuch MARIAMACHINA verknüpft die Lyrikerin und Performancekünstlerin Kinga Tóth traditionelle Gebete und die Stimmen heiliger Frauen vom Mittelalter bis heute mit den Erfahrungen moderner Frauen.
Dabei treten Nonnen, Liebende, Kämpferinnen, Cyborgs und selbstkompostierte Frauen ins Gespräch, verschmelzen in einer vielstimmigen Collage aus liturgischen Fragmenten, Alltagsgegenständen, Ostblockhexenriten und neuen Sprachbildern Vergangenheit und Gegenwart. Was daraus entsteht, ist ein kollektives Gebet für Freiheit, Gleichgerechtigkeit und Care, eine radikal-poetische Anrufung sowohl des Menschen als auch des Mehr-als-Menschlichen.
Quelle: Matthes & Seitz – MariaMachina
Biografie
Kinga Tóth wurde 1983 in Sárvár, Ungarn, geboren. Sie
ist Künstlerin und Soundpoetin, die ihre Texte mit Objekten sowie Video- und Soundinstallationen verbindet und diese auch performt. Neben ihrer Forschung von Nonnenkunst experimentiert sie mit Riten sowie Körper-, Sprach- und Seelenübungen und dem Konzept des Silentiums. 2024 war Tóth DaaD-Künstlerin sowie Gast des Kunstprogramms MQ in Wien. 2026 erschien ihr Buch „MariaMachina” bei Matthes&Seitz, außerdem erhielt sie den KELAG-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Preislesen. Im Sommer 2026 war sie Gastkünstlerin der Akademie der Künste in der Villa Serpentara.
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